2008-02-26

Fishtown City, River Gee County, 26. Februar, 09:24
Martha Watkins kocht reis und bohnen. für andere, für sich selbst, für mich. seit gut zwei jahren kocht Martha für andere. manchmal kassava, manchmal süsskartoffeln, aber immer reis. sie ist ein wenig fahrig an diesem morgen, ja, doch nicht bemerkenswert anders. sie verschüttet etwas wasser auf dem boden, wischt es auf, verschüttet wieder wasser, wischt es auf. Sie schüttelt mit dem kopf. Martha verabschiedet sich mit den worten, das essen für den tag sei zubereitet. keine zwei stunden sind vergangen, die erste zeugenaussage vor der Truth and Reconciliation Commission, der wahrheitskommission, abgeschlossen, da wird in den zeugenstand gerufen: witness Martha J. Watkins. sie streckt die rechte hand in die höhe, die linke liegt auf der bibel „I Martha J. Wathins, I promise to tell the TRC the truth, nothing but the truth, so help me god.“ Martha setzt an und wird die nächsten 56 minuten nicht mehr aufhören zu sprechen. Wahrscheinlich starb Martha Wathkins ehemann an einem nachmittag im april 2003. er starb mit 368 anderen. einigen wurden vorher nägel durch beine und handflächen getrieben. was Martha selbst geschah erzählt sie nicht.
bis 21:00 uhr werden noch 10 weitere zeugen gehört. opfer und täter, manche von ihnen sind beides zugleich. Fishtown erzählt vom krieg. das geht so über tage, über wochen, monate.


am nächsten abend gibt’s ein fussballspiel, die zweite attraktion in dieser woche. die männer am spielfeldrand trinken royal club bier. die frauen auch. Trinkwasser muss mit UN-hubschraubern eingeflogen werden. „in Fishtown you won’t find anything. not even fish.“ sagen die liberianer, selbst die aus Fishtown. doch: trockenfisch gibt’s. den tragen die frauen die 80km von der küste bis hier her.

1 Kommentar:

fred hat gesagt…

bin ich der einzige, der hier Kommentare schreibt? nun mal ran, das ist doch toll was stef duck hier einstellt.